Aquarium

Eckaquarium auf Stahlträgern

Wenn der Holzfußboden im Altbau schwingt wie eine Hängebrücke im Dschungel, dann lässt das nichts Gutes ahnen in Bezug auf die Tragfähigkeit des Bodens und die Ungestörtheit der Aquarienbewohner!

In diesem Fall war die einzige Möglichkeit die ca. 500 kg Gesamtlast des Aquariums sicher aufzustellen eine Lösung ohne Bodenkontakt: Zwei Stahlträger (HEB 100) wurden in einer Raumecke von Wand zu Wand eingebaut.

Das Aquarium war eine Maßanfertigung, mit satten 157cm Sichtscheibe bei nur 350L Volumen. Hier ein paar Eindrücke:

und los geht`s

So ein Bauvorhaben funktioniert natürlich nur mit Zustimmung des Vermieters / Eigentümers und den passenden Rahmenbedingungen:

Lage der Ecke zwischen tragenden Wänden, ohne Schornsteinzug in der Wand und wenn die Planung und Ausführung von Fachleuten (z.B. Architekt, Statiker, Maurer) nach den Regeln der Baukunst erledigt wird. Man könnte sich natürlich auch etwas mit Flanschen an der Wand vorstellen, aber eine satte Auflage in der Wand ist einer Dübel-Schraube-Lösung immer vorzuziehen!

Die Löcher in den Wänden wurden mit Hammer und Meißel ausgearbeitet, die volle Dicke der Mauersteinlage war dabei die durchgehende, tragende Auflage. Die Stahlträger wurden eingesetzt, sauber und absolut waagerecht ausgerichtet und eingeputzt. Danach folgten die Verschönerungen mit Farbe, die Ausfachung mit Holzbalken, um die Last zu verteilen und eine 28 mm starke Arbeitsplatte. Hinter der Platte blieb zu den Wänden ein 5 cm breiter Abstand, ebenso wie hinter dem Becken und der Isolation aus 2 cm Styrodurplatten, damit die Luft dahinter frei zirkulieren konnte. Das ist wichtig um Schimmelbildung an der Wand vorzubeugen. In der Ecke blieb dann noch ein praktischer Versorgungsschacht für Kabel und Schläuche frei. Unter dem Becken war nun genug Platz für den sich selbsttätig vermehrenden Aquarien-Kram und darüber für ein Regal, an dem die Beleuchtung hing.

Die Technik war einfach und praktisch ausgelegt:

Die Rückwände des Beckens waren mit schwarzer Folie beklebt. Beleuchtet wurde mit 2 hängenden Doppel-Leuchtbalken T8, mit dimmbarer Steuerung, je eine Warmton- und eine Tageslichtröhre. Zum Hantieren am Becken wurden sie einfach höher gehängt. Der Innenfilter bestand aus einem mit Glas abgeteilten Schaumstofffilter und einem Eheim Pumpenkopf. Die Heizung wurde aus Sicherheitsgründen mit 2 geregelten Heizstäben von je 75 W ausgestattet. Wenn ein Heizstab mal defekt ist und durchheizt, kann auf diese Art das Becken mit 75 W nicht so schnell “gekocht” werden, mit defekten 150 W dagegen schon! Ansonsten: 1 mal pro Woche 1/4 Wasserwechsel mit 2/3 Osmosewasser und 1/3 Leitungswasser. Der Bodengrund angereichert mit ein wenig Lehm im Grobsand von 1 – 2 mm Körnung. Wasserpflege erfolgte mit wenig Flüssigdünger, wenig CO²-Düngung und immer ein paar Erlenzäpfchen im Wasser für die Huminsäuren.

 

Das war schon ein besonderes Becken!

Über die Jahre war das Eck-Aquarium die Heimat für eine schöne Gruppe von Biotodoma cupido, einige Farlowella acus, ein Paar Hypancistrus zebra, einige Salmler und etliche Lebendgebährende. Im Sommer gab es manchmal Probleme mit Algen, die wuchernde Zwergkletterfeige aus der Uferbepflanzung nahm die Wand in Besitz und immer wieder kamen Nachzuchten im Becken hoch. Es gab auch eine blühende Seerose, deren Früchte nach dem Zerfall der Blüte an der Oberfläche trieben: kleine gallertartige Schwimmkörper mit einer gefurchten Oberfläche, Lufteinschlüssen und einem Kern in der Mitte.

Der größte Nachteil einer solchen Speziallösung: Im Falle eines Umzugs ist auch das schönste Aquarium auf Stahlträgern wohl nur noch Sperrmüll!

Fazit: Ich würde es trotzdem wieder tun!

 

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